
"Solange politische Entscheidungen überwiegend von Männern getroffen werden, fehlt ein Teil der Realität am Tisch. Mehr Frauen in den Parlamenten gibt es nicht von allein – es braucht Ermutigung, Qualifizierung und ein starkes Netzwerk."
Mit diesen Worten zieht Sabine Appelhagen, Präsidentin von FidiP – Frauen in die Politik, Bilanz nach der Kommunalwahl 2026 in Bayern. Die Auswertung zeigt: Das "FidiP-Bootcamp Kommunalpolitik" hat zahlreiche Frauen erfolgreich auf Kandidatur und Mandat vorbereitet. Viele Teilnehmerinnen der dreiteiligen Seminarreihe wurden in kommunale Gremien gewählt oder stehen als Nachrückerinnen bereit. Ziel des Projekts ist es, mehr Frauen für politische Verantwortung auf kommunaler Ebene zu gewinnen und sie gezielt auf Kandidatur, Wahlkampf und die Arbeit im Mandat vorzubereiten.
Ein halbes Jahr lang wurden Frauen in zwei FidiP-Bootcamps und ergänzenden Onlineformaten rund um ihre Kandidatur bei den Kommunalwahlen begleitet. Darum ging es:
- Positionierung und Campaigning
- Politische Kommunikation und Social Media
- Politisches Handeln und Leadership
Von insgesamt 28 Teilnehmerinnen kandidierten 25 bei der Kommunalwahl, teilweise sogar für mehrere Ämter. Die Kandidatinnen traten in allen demokratischen Parteien an, darunter CSU (6), Freie Wähler (4), Bündnis 90/Die Grünen (7), SPD (3), FDP (2), ÖDP (1), Volt (1) sowie parteifrei (1). Auch regional war das Projekt breit aufgestellt: Teilnehmerinnen aus allen Regierungsbezirken Bayerns waren vertreten.
- 12 Teilnehmerinnen wurden in ein Amt gewählt.
- Sieben weitere stehen als Nachrückerinnen bereit.
- Insgesamt konnten 20 Mandate besetzt werden – darunter Gemeinderats-, Kreistags- und Bürgermeisterämter.
- Besonders bemerkenswert ist, dass viele der erfolgreichen Kandidatinnen zum ersten Mal angetreten sind.
- Nur sechs Kandidatinnen wurden nicht gewählt, wobei alle zum ersten Mal angetreten sind.
Christiane Freisleder, neu gewählte Bürgermeisterin in Windach, sagt: "Das FidiP-Bootcamp hat mich durch meine Kandidatur und den Wahlkampf getragen. Die Inhalte waren genau das Praxiswissen, das ich in dieser Phase gebraucht habe."
Auch Manuela Nemela, Stadträtin in Landshut, betont den Wert des Austauschs: "Der offene, überparteiliche Austausch mit so vielen beeindruckenden Frauen hat mich bestärkt, meinen politischen Weg mit noch mehr Überzeugung zu gehen."
Für Bettina Grabmann, die erstmals kandidierte und in den Gemeinderat gewählt wurde, war vor allem das Netzwerk entscheidend: "Zu wissen, dass andere Frauen ähnliche Fragen und Sorgen haben und man sich gegenseitig unterstützen kann, hat mir enorm geholfen."
Auch Monika Bock, neu im Gemeinderat Pullach, sieht den Rückhalt als Schlüssel zum Erfolg: "Das Netzwerk von FidiP hat mir den Rückhalt gegeben, den es braucht, um sich als frisch gewählte Gemeinderätin selbstbewusst zu behaupten."
Gabi Köll, Wählergemeinschaft Frauenneuharting in Frauenneuharting, ist sich sicher: "Ich wäre ohne FidiP Vermutlich nicht angetreten und fühlte mich gut vorbereitet auf die Vorstellungsrede."
Sabine Appelhagen ist überzeugt, dass solche Programme langfristig die politische Kultur verändern: "Wenn Frauen sichtbar werden, wenn sie kandidieren und gewählt werden, verändert sich Politik. Unser Ziel ist Parität – und dafür braucht es gezielte Förderung, besonders auf kommunaler Ebene."
Der Handlungsbedarf ist weiterhin groß: In vielen kommunalen Gremien liegt der Frauenanteil noch immer deutlich unter einem Drittel, bei den Bürgermeisterämtern sogar nur im einstelligen Prozentbereich. Gerade auf kommunaler Ebene entscheiden jedoch die Gremien über zentrale Fragen des täglichen Lebens – von Kinderbetreuung über Schule bis zur Stadtentwicklung.
Um mehr Frauen für politische Verantwortung zu gewinnen, hat FidiP die Bootcamp-Reihe Kommunalpolitik entwickelt, die Frauen praxisnah auf politische Aufgaben vorbereitet – von der Entscheidung zur Kandidatur über den Wahlkampf bis zur Arbeit im Gremium. Neben fachlichen Inhalten spielen Mentoring, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung eine zentrale Rolle.

